Starker Glaube an die Vision

Die Pläne zum Erhalt der historischen Arbeitersiedlung Neudorf in Flums haben
als Ensemble von nationaler Bedeutung das Potenzial zur Umsetzung.

von Guido Städler (Sarganserländer Online, 20.09.2021)

Schon seit Jahrzehnten macht man sich in Flums Gedanken um die Zukunft der Siedlung Neudorf. Zahlreiche Ideen bis zum Abbruch wurden schon geschmiedet. Keine setzte sich durch. Jetzt aber scheint Bewegung in die Umsetzung zum Erhalt zu kommen. Eine Realisierung ist vielversprechend und in greifbarer Nähe. Treibende Kraft ist der Verein Pro Neudorf Flums, präsidiert von Andreas Hofmänner. Der «Sarganserländer» informierte im März dieses Jahres über die Gründung.

Der Verein bezweckt den langfristigen Erhalt der historischen Arbeitersiedlung und die damit verbundene Gründung einer gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaft. Treibende Kraft hinter dem Projekt ist die Eckstein Immobilien AG mit Andreas Hofmänner als Hauptteilhaber und Landeigentümer.

Pro Neudorf verfolgt keine kommerziellen Zwecke und erstrebt keinen Gewinn. Gewinne werden reinvestiert. Präsident Andreas Hofmänner sowie Kassierin Andrea Gadient ermunterten zukünftige Mieter, Inverstoren und weitere Interessierte zum aktiven Mitwirken. Wer mitwirkt, erhält Infos aus erster Hand, einen direkten Draht zum Projektteam und Einflussmöglichkeiten sowie eine bevorzugte Behandlung bei der Vermietung.

EIN WOHNQUARTIER – KEIN MUSEUM

Für Michael Niedermann, Leiter der kantonalen Denkmalpflege des Kantons St. Gallen, hat die präsentierte Idee eine zielführende Chance. Sie wird von seinem Amt unterstützt. In seiner kulturhistorischen Würdigung bezeichnete er das Neudorf als «eines der schönsten und einheitlichsten Ensembles in der Schweiz». Es zeige ein Zusammenwirken von industrieller Nutzung und sozialem Charakter, dem Wohnungsbau mit einem industriellen Werk. Probleme liessen sich lösen. Ein hohes Potenzial mit grosser Ausstrahlungskraft sei vorhanden. Das Neudorf sei zu bewohnen und kein Museum.

STIMMUNG POSITIV

Die Stimmung gegenüber dem Projekt in der ersten physisch durchgeführten Infoveranstaltung in der Flumserei war dem Projekt gegenüber grundsätzlich positiv.

Überzeugende Vorstellung der Vision Neudorf Flums: Andreas Hofmänner, Andrea Gadient, Michel Eigensatz und Michael Niedermann (von links). Bild Guido Städler

Nicht wenige lobten den Mut der Initianten. Der im Neudorf aufgewachsene Hans Tischhauser fragte, wieso die Denkmalpflege bei früheren Renovationen nicht eingeschritten sei. Niklaus «Niggi» Stoop fesselte mit amüsanten Geschichten aus dem Neudorf aus den Jahren 1933 bis 1948. Auch er war ein «Neudorfkind».

Für die nächste Veranstaltung 2022 wurden zu verschiedenen Themen detaillierte Infos angekündigt. Das gut durchdachte Projekt brauche eben seine Zeit.

WEITERE VISION DER GEMEINDE

Nach den Vorbereitungsarbeiten 2021/22 ist die Sanierung eines Musterhaueses geplant. Die Gründung der Wohnbaugenossenschaft ist 2025 vor gesehen. Dann erfolgt die erste Sanierungsetappe, voraussichtlich ab 2025. Aus den Legislaturzielen 2021 bis 2024 des Gemeinderates Flums, am Anlass vertreten durch eine Delegation, geht hervor, dass für den angrenzenden Raum Postplatz eine weitere Vision entwickelt wird. Der Verein Pro Neudorf Flums unterstützt die Idee. Er sieht damit eine bessere Anbindung des Neudorfes ans Dorf, die Aufwertung des Dorfzentrums und eine gemeinsame Parkierungslösung.

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